AUFSTIEG
Ausstellung Nr. 07 / 2026 Papierarbeiten, vier Blätter Wien, 1. Bezirk

Human
Friction

Marit Mautner
Aquarell, Ölpastell, Graphit auf Papier
Vier Arbeiten, ungerahmt
Katalog & digitales Schaufenster © 2026
Zur Ausstellung

Vier Blätter, die sich zwischen gestischer Abstraktion, biomorpher Figuration und zeichenhafter Verdichtung bewegen — entstanden nicht als Illustration, sondern als Protokoll eines körperlichen und neurologischen Zustands. APEX Galleries zeigt „Human Friction" als konzentrierte, kleine Präsentation, die genaues Hinsehen verlangt.

Die vier Arbeiten

Werke

I — IV / Human Friction
Korallenrot und dunkelblaues Bild, Marit Mautner
I

Korallenrot und dunkelblaues Bild

Das dramatischste und psychologisch aufgeladenste Werk der Gruppe. Korallenrot, Rostrot und Fleischtöne stehen gegen ein schweres, dunkelblaues Gerüst — eine Auseinandersetzung zwischen Haut und Schatten, Wärme und Widerstand.

Grün-blaues Bild, erste Fassung, Marit Mautner
II

Grün-blaues Bild (Erste Fassung)

Eine feuchte, vegetabile und unterirdische Atmosphäre in Türkis, Petrol und Oliv. Im oberen Bereich dominiert ein augen- oder portalartiges Zentrum, umgeben von rotierenden Bögen und feinen roten Markierungen.

Rot-oranges gestisches Bild, Marit Mautner
III

Rot-oranges gestisches Bild

Ein offener, wässriger und unmittelbarer Bildraum. Rot- und Orangetöne kreisen um ein diffuses Zentrum, durchschnitten von kühlen Türkislinien. Das Weiß des Papiers wird zum aktiven Atemraum.

Grün-blaues Bild, Variation, Marit Mautner
IV

Grün-blaues Bild (Variation)

Eine hellere, durchlässigere Variante der grün-blauen Komposition. Gelbgrüne Lichtzonen und konzentrische Gewölbestrukturen öffnen den Raum zu einer geologischen und psychologischen Kartografie.

Die Künstlerin

Biografie

Geb. 1986, Bruck an der Mur

Marit Mautner (geb. 1986 in Bruck an der Mur, Österreich) ist eine Künstlerin und Kunsthistorikerin, deren Praxis unlösbar mit psychologischer Endlichkeit, physischem Widerstand und einem außergewöhnlichen familiären Erbe der Auseinandersetzung mit extremen Grenzsituationen verbunden ist.

In der Steiermark geboren, teilt Mautner ihr Leben zwischen der urbanen Reibung des Wiener 19. Bezirks und einem abgeschiedenen Bergretreat in den Mürzer Alpen. Diese geografische Dualität spiegelt die tiefen inneren Polaritäten in ihren Werken wider. Sie begreift die Malerei nicht als reinen Lebensstil, sondern als aggressive, diagnostische Notwendigkeit, um inneres Chaos und turbulente emotionale Zustände zu kartografieren.

Ihre Beziehung zu extremem Terrain ist genetischer Natur: Sie ist die direkte Nachfahrin von Conrad Kain (1883–1934), dem legendären, in Nasswald geborenen Pionier, der zum berühmtesten Bergführer der kanadischen Geschichte aufstieg — mit über 60 Erstbesteigungen, darunter Mt. Robson und Bugaboo Spire. Wo ihr Vorfahr die vertikalen Felswände der kanadischen Rocky Mountains eroberte, kartografiert Mautner die inneren, zerklüfteten Abgründe der menschlichen Kondition.

„Wenn Conrad einen Wintersturm am Mt. Robson überstehen konnte, kann ich auch diese nächste Leinwand durchstehen." Marit Mautner, im Gespräch
Stimmen zur Ausstellung

Kritiken & Essays

Katalogbeiträge
R. H.

„Die Disziplin des Chaos"

Man hüte sich davor, diese Arbeiten als bloße Willkür abzutun. Was wir hier sehen, ist keine therapeutische Entlehrung, sondern eine disziplinierte Intelligenz, die sich das Chaos zunutze macht. M. besitzt die seltene Gabe, eine Linie so zu führen, dass sie gleichzeitig fragil und absolut autoritär wirkt.

J. S.

„Goddamn, She's Painting for Her Life!"

Die meisten Leute, die heute versuchen zu malen, produzieren dekorativen Müll für Hotellobbys. Aber Marit M.? Sie hat dieses Etwas. Das ist kein höfliches „Schau mal, wie künstlerisch ich bin". Das ist ein Kampf.

J. J.

„Der Geist in der Zentrifuge"

In der wirbelnden Zentrifugalkraft von Marit M.s Kompositionen erkennen wir das Echo einer langen, ehrwürdigen Tradition — eine turbulente Ekstase, die an späte Seestücke der Romantik erinnert.

B. S.

„Die Autonomie der Spur"

Die Linie wird hier nicht dazu benutzt, eine Form zu umschreiben, sondern um sich selbst zu behaupten. In der Schichtung von trockenen Ölpastellen und feuchten wässrigen Lasuren zeigt sich eine Dialektik der Texturen.

N. M.

„Das analoge Manifest"

In einer Ära, in der Algorithmen unsere visuelle Welt glätten, wirken Marit M.s Arbeiten wie ein politischer Gegenentwurf. Jedes Kratzen des Stifts, jedes Aufreißen des Papiers ist ein Plädoyer für die Unmittelbarkeit des Körpers.

Rede des Galeristen

Der langsame Blick

Eröffnung, Wien 1. Bezirk

Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde der Kunst, liebe Marit — ich begrüße Sie sehr herzlich zu dieser Ausstellung, in einem Umfeld, in dem sich historische Architektur, kulturelles Gedächtnis und zeitgenössische Kunst auf engstem Raum begegnen. Wir zeigen heute vier Arbeiten von Marit Mautner. Es ist eine kleine, konzentrierte Präsentation. Doch gerade diese Beschränkung erlaubt uns, genauer hinzusehen. Denn diese Bilder erschließen sich nicht durch einen raschen Blick. Sie verlangen Nähe, Zeit und die Bereitschaft, das zunächst Unbestimmte auszuhalten.

Marit Mautner ist Künstlerin und ausgebildete Kunsthistorikerin. Sie studierte Kunstgeschichte an der Universität Wien und beschäftigte sich in ihren wissenschaftlichen Arbeiten unter anderem mit Anton Romako und der Modernisierung der Historienmalerei. Das bedeutet nicht, dass ihre Bilder kunsthistorische Thesen illustrieren — im Gegenteil: Wir sehen Arbeiten, die unmittelbar, körperlich und offen wirken.

Marit Mautner malt nicht so, als wäre das Bild von Anfang an vollständig vorhanden. Ihre Bilder entstehen als Prozesse. Eine Linie ruft die nächste hervor. Etwas taucht auf, etwas verschwindet. Gerade in einer Zeit, in der Bilder innerhalb weniger Sekunden erfasst, bewertet und weitergeschoben werden, bestehen diese Arbeiten auf einer anderen Form der Aufmerksamkeit. Ich lade Sie ein, sich ihnen zu nähern. Die Ausstellung ist eröffnet.

Im Gespräch

Interview

Mit Marit Mautner

Ihr familiärer Hintergrund ist außergewöhnlich. Ihr Vorfahr Conrad Kain pionierte über 60 Erstbesteigungen. Wie manifestiert sich dieses Erbe, wenn Sie in den Mürzer Alpen malen?

Marit MautnerConrad entkam der extremen Armut in Nasswald, indem er nach oben ging. Er hatte diese radikale Freiheit in den Bergen. Diese Verbindung spüre ich tief, wenn ich in den Mürzer Alpen bin. Aber meine Berge bestehen nicht aus Fels; sie bestehen aus inneren Gewichten. Malen ist mein Seil, mein Haltegriff. Wenn Conrad einen Wintersturm am Mt. Robson überstehen konnte, kann ich auch diese nächste Leinwand durchstehen.

B. S. beschreibt in seiner Kritik eine „Dialektik der Texturen" zwischen trockenen Ölpastellen und feuchten Aquarelllasuren. Wie entsteht diese Schichtung im Atelier?

Marit MautnerIch beginne meist trocken, mit Graphit oder Ölpastell — schnelle, fast reflexhafte Linien. Erst danach kommt das Wasser dazu, und das Pastell beginnt sich aufzulösen, zu wandern, mit der Farbe zu verhandeln. Ich kontrolliere diesen Moment nicht vollständig — das ist der Punkt. Die Schicht darunter bleibt sichtbar, wie eine Erinnerung, die durchscheint. So entsteht auf dem Papier das „Davor" und das „Danach" gleichzeitig.
Ausstellung
Human Friction
Künstlerin
Marit Mautner
Ort
APEX Galleries, Wien
Format
4 Arbeiten auf Papier